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Ostende - ein Signal für die Zukunft?

Erstmals keine DLV-Athleten am Start

29.03.2001

Sie ist geschlagen, die "Schlacht von Wellington". Das Hippodrom von Ostende, entstanden auf den Anlagen des früheren Fort Wellington, nur zweihundert Meter von der mondänen Uferpromenade entfernt, hat einerseits die Dominanz der Afrikaner aus Kenia und Äthiopien bestätigt, andererseits aber auch den Aufbruch der hellhäutigen Läufer aus Europa und Übersee in beeindruckender Weise offenbart. Wadentiefer Morast und orkanartige Stumböen haben das Cross-Country-Festival des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) nachhaltig beeinträchtigt, wenngleich der neue kenianische Cheftrainer Dan Muchoki die Bedingungen als gottgegeben und für die Läufer aller Nationen "gleich schlecht" sieht. Daß die Belgier überhaupt zu diesem Zeitpunkt Gastgeber des ultimativen Läufervergleichs wurden, das haben sie der in Groß-Britannien und Irland vorrangig grassierenden Maul- und Klausenseuche zu "verdanken", weshalb der Irische Leichtathletik-Verband mit Dublin die Titelkämpfte kurzfristig zurückgeben mußte. Mit der Minimalvorlaufzeit haben die Belgier erstaunliches geleistet, wenngleich gerade aber bei unseren westlichen Nachbarn gerade der Crosslauf eine lange Tradition hat. Schließlich wurden in Waregem die ersten Cross-Weltmeisterschaften ausgetragen und konnten mit Gaston Roelants, Karel Lismont, Emiel Puttemans, Eric de Beck und Leon Schots weltweit anerkannte Vorläufer der Laufszene vorweisen. Daß mit der Umstellung zur Sommerzeit der Winter in Ostende mit Temperaturen um 2°C zurückgekehrt ist, dafür konnten die Belgier partout nichts. Eines jedenfalls ist sicher, aus der Notlage Ostende mit einem eher baufälligen Tribünentrakt im Hippodrom dürfte 2004 ein rauschendes Cross-Festival werden, wenn das 32. Weltchampionat in Brüssel ausgetragen wird. Rein sportlich könnte in Ostende ein neues Zeitalter angebrochen, zumindest aber ein Signal gesetzt worden sein. Auch wenn Keina und Äthiopien zehn der zwölf zu vergebenden Weltmeistertitel unter sich aufzuteilen wußten, schmerzlich sollte der Verlust der beiden prestigeträchtigen Langstreckentitel schon sein. Mit der Britin Paula Radcliffe und dem zwar aus Marokko stammenden, jedoch für Belgien laufenden Mohammed Mourhit haben die Europäer den sieggewohnten Afrikanern schmerzhafte Wunden vor den Ruinen von Wellington beigefügt. Doch diese beiden Goldmedaillen sind keineswegs die Ausnahme, denn mit dem Ukrainer Sergiy Lebed, dem US-Junior Dathan Ritzenhein und den zu Bronze laufenden Rumäninnen (sowie der dritte Rang der japanischen Juniorinnen) sieht die Erfolgsbilanz der Nichtafrikaner recht ordentlich aus. Dank der Radcliffe, Mourhit und Co. bleibt ein nicht gerade geringer Teil der ausgelobten 560.000 US-Dollar nämlich in Europa.

Unter den 69 angetretenen Nationen fehlte erstmals in der Geschichte der Cross-Weltmeisterschaften der Deutsche Leichtathletik-Verband, was en passent mit merklicher Verwunderung zur Kenntnis genommen wurde. Es ist kaum vermittelbar, daß einer der weltweit größten und leistungsstärksten Fachverbände gänzlich durch Abwesenheit glänzt. Fast, denn die Ausnahme bildet nämlich die Funktionärsebene. Mit Otto Klappert als Vorsitzenden der IAAF-Straßen- und Crosskommission und Ulrike Meyfarth in der Eigenschaft als Mitglied der Athletenkommission, die übrigens erste Gratulantin bei der Siegerehrung der Frauen-Langstrecke sein durfte, standen Deutsche in der ersten Reihe.

Wilfried Raatz


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